Regen, Sturm, Sonne und Donner - Jarl Magnus Riiber und Bernhard Gruber gewinnen Weltcups von Schonach

17.03.2019

Schonach. Sonne, Wind, Regen und am späten Nachmittag sogar ein lautstarkes Donnergrollen. Beim Weltcupfinale der Nordischen Kombinierer und dem Schwarzwaldpokal erlebten die Zuschauer und Winterzweikämpfer einmal mehr ein „richtiges Schonacher Weltcupwetter“. Sehr zum Leidwesen der routinierten Organisatoren. „Es tat sehr weh, dass wir das Springen absagen mussten. Aber es war die richtige Entscheidung“, so Gunter Schuster nach dem Wettkampf. Zuvor hatte sich der erste Vorsitzende des SC Schonach noch mit FIS-Race-Direktor Lasse Ottesen, abgestimmt. Eine Absage, auch zum Leidwesen der etwa 5.000 Zuschauer die schon früh morgens bei strahlendem Sonnenschein, aber eben diesen gefährlichen boeigen Winden an die Langenwaldschanze gekommen waren. „Ich habe keinen einzigen Pfiff des Publikums  gehört“, fand die Entscheidung zur Sicherheit der Kombinierer eine große Akzeptanz.

 

Jarl Magnus Riiber gewinnt Saisonfinale von Schonach

 

Und so griff für den Sprungwettbewerb am Sonntag der provisorische Wertungsdurchgang vom Samstag – mit einem Ergebnis bei dem die DSV-Kombinierer im abschließenden Skatingrennen über 4 x 2,5 Kilometer nach schwacher Sprungleistung einfach chancenlos waren. Keine Überraschung, der letzte Saisonsieg ging an den frisch gekürten Weltcup-Gesamtsieger Jarl Magnus Riiber, der nach Rang zwei im Springen seine glänzende Ausgangsposition für den 12. Einzelsieg nutzen konnte.  Zweiter wurde dessen norwegischer Landsmann Jan Schmid (+ 25 Sekunden) vor dem Österreicher Bernhard Gruber.

 

DSV-Kombinierer verpassen Podestplätze beim Heimspiel

 

Terence Weber, Teamgefährte des in Schonach erkrankt fehlenden Eric Frenzel (beide SSV Geyer) kam als bester DSV-Kombinierer auf den 14. Schlussrang der Tageswertung. Immerhin: Lokalmatador Fabian Rießle (SZ Breitnau), mit einer Hypothek von umgerechnet 2,19 Minuten belastet ins Rennen gegangen kämpfte sich im Schneetreiben von Schonach von Rang 36 noch auf Platz 18 nach vorne.  Der zweite Schwarzwälder, Manuel Faißt (SV Baiersbronn) kam mit einem Rückstand von rund drei Minuten auf den 30. Platz. „Wir haben die Dominanz verloren und müssen wieder besser werden“, bilanzierte Bundestrainer Hermann Weinbuch nach dem Saisonfinale nüchtern. Eine richtige Herausforderung für die Saison 2019/20, denn einige Nationen sind auf der Überholspur.

 

Bereits am Samstag feierten die Winterzweikämpfer aus der rot-weiß-roten Alpenrepublik Österreich einen umjubelten Doppelsieg. Der 36-jährige Silbermedaillengewinner im Einzel von Seefeld, Bernhard Gruber gewann im Zielsprint mit dem Vorsprung eines Wimpernschlags von 0,6 Sekunden erstmals denn Schwarzwaldpokal vor seinem Landsmann Lukas Greiderer. Der Norweger Jarl Magnus Riiber, der tags darauf als neuer Weltcup-Gesamtsieger inthronisiert wurde und mit 108,5 Metern auf der Langenwaldschanze einen neuen Schanzenrekord aufgestellt hat, sicherte mit einem Rückstand von 9,8 Sekunden auf den Tagessieger den dritten Podestplatz.

 

Bernhard Gruber gewinnt erstmals Schwarzwaldpokal in Schonach

 

Und wie verlief das Heimspiel im Schwarzwald für erfolgsgewohnten DSV-Kombinierer? Der Oberstdorfer Silbermedaillengewinner im Teamwettkampf, Vincenz Geiger nach dem Springen mit einem Rückstand von 43 Sekunden noch Zehnter kämpfte sich im nassen und schweren Sulzschnee im Wittenbachtal auf den vierten Rang nach vorne. „Das fühlt sich gut an“, freute sich der 21-jährige Allgäuer nach dem Rennen. Als Fünfter gestartet, bestätigte Manuel Faisst seinen vierten Rang von Oslo als Sechster mit einer erneut bärenstarken Leistung. Dahinter reihte sich der 6-fache Weltmeister Johannes Rydzek auf Platz sieben ein. Nach dem Springen mit Rückstand von 51 Sekunden von Rang 15 aus ins Skatingrennen über 4 x 2,5 Kilometer gestartet, wollte Fabian Rießle selbst noch einmal nach dem Schwarzwaldpokal greifen. Mit einer starken Laufleistung hatte sich der Team-Sprint-Weltmeister von der SZ Breitnau nach zwei Runden an die Spitze herangepirscht. „De Fabi bricht jetzt ein“, sah Vater Alfred Rießle am Streckenrand die schwindenden Kräfte seines Sohnes – am Ende reichte es immerhin noch zu Rang elf.

 

Brezelsalz trocknet Skatingstrecke bei Weltcup in Schonach

 

Tauwetter und Schneesorgen sind die Schonacher Organisatoren in der 53-jährigen Geschichte des Schwarzwaldpokals gewohnt. Und so brachte auch das Sturmtief „Franz“ das Team um Gunter Schuster nicht so leicht aus der Ruhe. „Aber in diesem Jahr war es schon extrem, besonders der Wind machte uns zu schaffen“, sagt Stadionchef Siggi Duffner. Nach 36 Stunden Dauerregen ist die Skatingpiste im Wittenbach von Wasser durchtränkt. Die Sonne tut am Samstag ihr Übriges. Resignieren vor den Wetterkapriolen? Doch nicht in Schonach! Abhilfe schafft nicht etwa die chemische Keule. „Wir haben etwa 400 Kilo ganz normales Brezelsalz auf der Strecke eingebracht. Das geht durch bis auf den Boden und entzieht dem Schnee das Wasser“, erläutert Siggi Duffner.

 

Foto: Habe fertig: Der neue Weltcup-Gesamtsieger Jarl Magnus Riiber gewinnt auch Saisonfinale in Schonach - Foto: Joachim Hahne / johapress